Kewatec Aluboat

PEOPLE OF KEWATEC – ANDREAS KROKFORS

Martti Vaahtoranta, 27.2.2020

„JETZT IST ES GUT SO, WIE ES IST, ABER VIELLEICHT WERDE ICH SPÄTER NOCH ETWAS ANDERES TUN“

Schweißen ist filigrane Arbeit, die körperlich anstrengend ist

”Die wohlgemeinten Ratschläge der Physiotherapeuten helfen nur wenig, wenn man nur in einer oder zwei Körperpositionen schweißen kann. Hauptsache dabei ist, dass die Hand stabil bleibt und nicht zittert, egal in wie einem Loch man hocken muss. Und wenn man etwas von unten nach oben schweißt, werden die Arme und Schultern müde, und man muss sowieso regelmäßig Pause machen. Am anstrengendsten ist es aber drinnen zu schweißen, wenn es draußen dreißig Grad warm ist und der Schutzanzug überhaupt nicht atmet.“

Der Schweißer Andreas Krokfors mag seine Arbeit, aber sie ist nicht leicht. Oder zumindest ist sie körperlich anstrengend. ”Hat man den ganzen Tag in so richtig engen Verhältnissen geschweißt, weiß man am Abend, etwas getan zu haben.“

Ein Familienvater muss schaffen

Es stimmt ja, wie der finnische Volksmund sagt, dass ”die hohen Herren schon arbeiten würden, wenn das Schaffen lecker schmeckte“. Hätte aber auch Andreas Krokfors ein ”hoher Herr” werden können, wenn er anders entschieden hätte?

„Zumindest könnte ich jetzt ein Ingenieur sein. Ich habe die Autoingenieurstudien nach Abitur und Wehrdienst begonnen. Nach ein Paar Jahren habe ich aber festgestellt, dass die theoretischen Studien nicht gerade das waren, was ich mir vom Leben wünschte. Ich hätte es sicherlich geschafft, mein Studium bis zum Abschluss zu bringen, habe aber anders entschieden.“

Bei diesem Beschluss hat auch die Liebe eine gewisse Rolle gespielt, denn Krokfors war dabei, eine Familie mit seiner zukünftigen Frau zu gründen.

Heute gehören zu dieser Familie neben ihm und seiner Frau auch drei Kinder. Und damals hat Krokfors Arbeit in seiner Geburtsstadt Kokkola auf dem Industriegebiet Indola gefunden. Die Firma Limetec wurde sein Arbeitgeber. Krokfors arbeitete jetzt im Fahrzeugbau.

So vergingen etwa zwei Jahre. Dann aber kam die Rezession. Krokfors wurde beurlaubt, d.h. praktisch arbeitslos.

Zuerst Ausbildung, dann Kewatec

Ein Verlust kann aber auch eine Chance sein.

Krokfors hatte schon früher von Kewatec gehört und sich sogar bei der Werft beworben. Damals hatte sie aber keine freien Stellen anzubieten.

Lernen aber lohnt sich. Krokfors hat eine Schweißerausbildung gemacht. Das Schweißen an sich war für ihn nichts Neues, denn seit seinem 16. Lebensjahr war es ein Teil seines Sommerjobs. Dennoch erst nach der absolvierten Ausbildung und als zertifizierter Schweißer hat Krokfors im Januar 2010 eine Stelle bei Kewatec bekommen.

Die Boote – nicht mehr nur eine Freizeitbeschäftigung

Dass Krokfors sich bei Kewatec bewarb, hatte aber nicht nur mit einer ledigen Stelle zu tun. Er war an der Küste und zusammen mit Booten groß geworden. Die Sommer hatte er beim Sommerhäuschen der Familie verbracht, und das Meer gehörte schon immer zu seinem Leben. Mit dem Boot der Familie wurde bis nach Schweden gefahren.

„In der Tat haben wir auch als meine jetzige, eigene Familie ein Boot, so eines mit einem Hardtop, ein teilweise bedeckter Außenborder. Gesegelt habe ich nie, aber es wäre durchaus möglich, dass wir irgendwann noch ein größeres Motorboot kaufen würden,“ erzählt Krokfors.

Rumpfbau

Bei Kewatec baut Krokfors Rümpfe. „Meistens fange ich mit einem neuen Rumpf bei der Phase an, wo die Ausrüstung an der Reihe wäre, eingeschweißt zu werden. Seltener schweiße ich alles an einem Rumpf bis zu dem Punkt, dass das Boot lackiert werden soll.“

Es wird in Teams an der Schweissabteilung gearbeitet, und meistens tun nicht alle Schweißer alles an einem Rumpf. Trotzdem geht es nicht um Fliessbandproduktion. Denn jedes Boot ist ein Individuum, obwohl die konstruktiven Grundlösungen und die entsprechenden Herausforderungen an die Schweißarbeit miteinander sehr ähnlich sind. „Auch ist nicht immer alles so genau geplant worden, dass die Zeichnungen gar nicht an die aktuellen Schweißaufgaben angepasst werden sollten,“ erzählt Krokfors.

Die Herausforderungen gehören zur Arbeit

Die Herausforderungen der Schweißarbeit und ihre Vielseitigkeit halten Krokfors geistig wach. Die Kewatec-Boote werden ja nach den strengen Regeln der Profiseefahrt auch dann gebaut, wenn sie als Sportboote verkauft werden. Die Schweißarbeit muss auf jeden Fall ausgezeichnet sein.

„Mit der Qualität der eigenen Schweißarbeit kann man nicht immer zufrieden sein. Die Probleme damit können einen regelrecht bedrücken. Aber immer wieder werden sie irgendwie gelöst. Solche Herausforderungen sind ein normaler Bestandteil der Arbeit eines Schweißers,“ sagt Krokfors.

Die Gemeinschaft trägt

Glücklicherweise muss man nicht alleine mit den Arbeitsproblemen da stehen. Die Arbeitsgemeinschaft ist immer da. ”Wir haben ein großartiges Team. Natürlich können nicht alle immer derselben Meinung über alles sein, aber das ist ja kein Problem und wird auch nicht bezweckt. Durch wohltuenden Humor und mit einer positiven Grundeinstellung bleiben wir als Arbeitsgruppe zusammen,“ meint Krokfors.

Das Gute kann noch besser werden

Es wird gesagt, das ‚Bessere‘ sei der Feind des ‚Guten‘. Daher denkt Andreas Krokfors, dass auch die konstruktive Kritik ihren Platz bei Kewatec haben muss. Denn wenn man glaubt, alles sei schon bestens, wird nichts noch besser werden. Was aber den jovialen Krokfors angeht, wird das Kritische sicher nichts zerstören, sondern nur erbaulicher Natur sein.

Vielleicht ist es auch so etwas wie positive Selbstkritik, wie Krokfors über seine Zukunft nachdenkt. „Meine Frau hat nach dem Berufsschulabschluss eine Ausbildung zu einer Sozionomin gemacht, und ich habe mich gefragt, ob ich mein ganzes Leben lang bis zum Rentenalter nur schweißen will. Vielleicht werde auch ich irgendwann noch einen anderen Beruf lernen. Ein Autoingenieur will ich weiterhin nicht werden, aber ich weiß es auch noch nicht, was sonst es sein könnte,“ überlegt Krokfors.

Aber wenn jemand, wie Andreas Krokfors, noch kein Mittdreißiger ist, hat er Zeit, ruhig darüber nachzudenken, was einen auch in der Zukunft geistig wach halten würde. Der Körper wird schon jetzt die nötige Abwechslung durch verlängertes Gassigehen mit dem Hund und vom Skilaufen erhalten. Und hin und wieder macht die ganze Familie eine Reise mal in den warmen Süden, mal in den kalten Norden.