Kewatec Aluboat

PEOPLE OF KEWATEC – JUHO PAANANEN

Martti Vaahtoranta,26.10.2020

PROFIARBEITER – ODER DOCH EHER KÜNSTLER?

Planen und installieren

”Obwohl ich offiziell ein Schweißer bin und darüber hinaus Installationen durchführe, hat ebenfalls die Planungsarbeit schon immer zu meinen Aufgaben gehört. Man kann nicht alles im Voraus planen. Es gibt Probleme, die man nur an Ort und Stelle lösen kann. Wenn zum Beispiel ein Elektroverteilerschrank wegen Gewichtsgründen aus dünnem Blech gebaut werden sollte, müsste aber zugleich steif sein, muss das ebene Blech gekantet und somit daraus ein Profil gemacht werden.“

Solche Suche nach passenden Lösungen ist typisch für die Arbeit von Juho Paananen in den Ausrüstungshallen von Kewatec im Industriegebiet Lahdenperä. „Ich plane gerne. Das hält einen geistig wach. Ein Grund dafür ist aber auch die Eile. Man hat nicht immer Zeit, darauf zu warten, dass sonst jemand planen würde, wie ein Teil oder ein Gerät eingebaut werden sollte. Man muss selbst nach einer passenden Lösung suchen.”

Dennoch wünscht Paananen, dass die bei der Produktion erfundenen Lösungen ordentlich dokumentiert und die Pläne dementsprechend aktualisiert würden, damit man beim nächsten Mal nicht zu viel nachdenken und sich zu erinnern versuchen sollte, wie das Problem früher schon mal gelöst wurde. Anscheinend geht es aber auch ohne, weil die Lösungen immer wieder gefunden werden.

Von Kokkolasta nach Pietarsaari und halbwegs zurück

Juho Paananen ist in Kokkola geboren, wohnt aber schon seit über zwanzig Jahren in Pietarsaari. Da hat er auch vor seiner Einstellung bei Kewatec gearbeitet und z.B. sieben Jahre lang Garagentüre vom Anfang an bis zu deren Fertigstellung gefertigt. Auch andere Stahlkonstruktionen hat er gebaut.

Paananen hat Hausbau gelernt, ist Mechaniker und zertifizierter Schweißer. Beim Wehrdienst hat er den Führerschein für LKW mit Anhänger gemacht. Die vielfältige Ausbildung gibt ihm Perspektive und hilft ihm bei der vielseitigen Arbeit, die für ihn nicht nur Schweißen bedeutet.

Bei Kewatec hat Paananen im Jahr 2011 zu arbeiten angefangen. Glücklicherweise wird das Tauziehen zwischen Kokkola und Pietarsaari nicht ganz so ernst gemeint. Daher schadet es nicht, obwohl Paananen nach wie vor in Pietarsaari wohnt und beim Arbeitsplatz immer wieder daran erinnert wird. Viele von seinen Arbeitskollegen wohnen ebenfalls nicht in Kokkola, und Spiel ist ja nur Spiel!

Automatisiertes Zuhause

Zur Familie Paananen gehören nebst dem Familienvater auch seine Frau, die als Teamleiterin in einer Firma, die Arbeitslichter produziert, arbeitet, und deren Sohn im Teenagealter. Frau Paananen macht Schichtarbeit, und Juho Paananen arbeitet, wie gesagt, in der Nachbarstadt.

Daher ist es nicht immer leicht, zu einer Balance zwischen den Herausforderungen des Familienlebens und denen der Arbeitswelt zu kommen. Die moderne Technik kann aber den Versuch, die beiden miteinander zu versöhnen, etwas erleichtern.

Denn ein Planer bleibt Planer auch zu Hause. In seiner Freizeit fährt zwar Juho Paananen auch hin und wieder mit dem Fahrrad im Gelände, wenn es nur zeitlich passt. Am meisten scheint er aber von einem Projekt, das sowohl Freizeitbeschäftigung als auch Hilfe für den Alltag anbietet, begeistert zu sein: Paananen hat selbst in das Einfamilienhaus der Familie ein umfangreiches Ferngesteuertes Überwachungs- und Steuerungssystem eingebaut. Mithilfe eines Smartphones kann er z.B. Teile der Hauselektronik fernsteuern und deren Stromverbrauch in Realzeit im Auge behalten. Von Ferne aus sieht man ebenfalls, ob jemand sich im Haus bewegt.

Das Netzwerk am Arbeitsplatz

”Ich habe Arbeit bei Kewatec gesucht, weil ich etwas Neues tun wollte, und mein Wunsch ist tatsächlich in Erfüllung gegangen. Ich habe während der letzten Jahre Kabinen gebaut, Rümpfe geschweißt, Bolzenarbeit gemacht, Boote aufgerüstet und sie auf dem Werftgelände verlegt – und, wie gesagt, allerlei geplant,“ erzählt Paananen von seiner bisherigen Karriere auf dem Industriegebiet Lahdenperä.

”Ich mag die Vielfältigkeit meiner Arbeit und auch das, dass wir heutzutage an unserem ‚eigenen Boot‘ arbeiten dürfen. Wir müssen nicht mehr ständig von Boot zu Boot wechseln. Andererseits sind wir ein Netzwerk, wo jeder einander braucht. Zum Beispiel Schweißarbeiten und Elektroinstallationen kann man gar nicht durchführen, ohne es miteinander abzusprechen.“

Ein Verhältnis zum Meer durch die Arbeit

Juho Paananen gehört zu denjenigen Mitbürgern an der Küste von Pohjanmaa, die kein Verhältnis zum Meer und zu den Booten von Zuhause aus haben. So etwas ist aber durch seine Arbeit quasi zwangsweise entstanden.

Wie könnte es nämlich anders geworden sein, wenn man, wie Paananen, direkt am Meeresufer arbeitet, und ein Teil der Arbeit an Bord, und zwar an den Booten, die am Kai im Werfthafen liegen, erledigt wird. Der Arbeitsplatz schwimmt und bewegt sich auf dem Wasser. Die Geräusche der Arbeit können nicht immer das Platschen der Wellen gegen den Bootsboden übertönen. Die Sonne scheint und bringt das Meer, wie tausende Diamanten, zum Glitzern.

Neben Einbauarbeiten wirkt Paananen hin und wieder auch beim Testen der neuen Boote mit. So richtig kann man ein Boot aber nur während der Fahrt überprüfen. Man muss daher raus aus dem Hafen bis zum Rande der offenen See. So etwas kann zum Alltag der Mitarbeiter bei Kewatec gehören, fühlt sich aber ein Bisschen wie eine Feier zwischendurch.

Die Rhythmik beim Schweißen

Bei all den anderen Themen ist es letztlich wohl doch das Schweißen, das bei der Diskussion mit Juho Paananen in den Vordergrund drängt. Es ist ein Bisschen ähnlich, wie wenn man mit einem Profimusiker spräche. Man ahnt etwas davon, was hinter einer perfekten Aufführung und hinter einem perfekten Schweisssaum steckt.

”Beim Schweißen sollte man den Sinn für Rhythmus haben,“ sagt Paananen und beschreibt ihn bei einer forstschreitenden Schweißarbeit.

Also, es könnte sein, dass das Schweißen und überhaupt der Bootsbau eine Aufgabe nicht nur für Profis, sondern auch für Künstler ist. Und Juho Paananen ist bestimmt einer von ihnen.