Kewatec Aluboat

KEWATEC ALUBOAT MITTEN IM FINNISCHEN BOOTSBAU-CLUSTER

Martti Vaahtoranta, 31.1.2019

1.

Es hängt davon ab, wo man selbst herkommt, ob man von der „Jakobstad -Gegend“ oder von der „Kokkola -Gegend“ spricht, wenn’s um ein gewisses Küstengebiet im westlichen Finnland geht.

Ich selbst komme aus den südlicheren Teilen Finnlands. Am Meer, in der Stadt Rauma, bin ich groß geworden. Nach Kokkola hat mich erst meine neue Arbeit bei Kewatec AluBoat im Spätsommer 2017 gebracht.

Es war ein schönes Erlebnis. Es gab viel Neues zu erleben, und die Menschen waren sehr nett und zuvorkommend. Und das Meer ist ja überall Meer.

Trotzdem war ich etwas beschämt. Denn obwohl ich mein ganzes Leben mit Booten verbracht hatte, hatte ich nie begriffen, wie wichtig dieses Gebiet auf beiden Seiten von Kokkola und entlang der Westküste für die finnische Bootsbauindustrie ist. Denn die meisten der in Finnland gebauten Boote werden hier gebaut.

2.

Das wusste ich zwar schon, dass dieses Gebiet einen gewissen internationalen Ruf genießt. Wer von uns nicht von der Firma Nautor und von den dort gebauten Swan -Booten gehört hätte?

Aus bekannten Gründen gibt’s diese Boote nicht so viele in Finnland. Das Gleiche gilt noch mehr für die Baltic -Boote.

Um so ein Boot zu kaufen, muss nämlich der Kunde viel Geld, sogar sehr viel Geld haben. Und so viel von dem Guten haben nur die Wenigsten im hohen Norden. Deshalb werden die meisten von diesen Schiffen ins Ausland verkauft. Aber in und um Jakobstad werden sie gebaut.

Man kann nach der Moral dieser Geschichte fragen. Wer braucht eigentlich ”Boote”, die 10 Millionen Euro und mehr kosten? Aber weil diese Luxusschiffe in der an sich kargen Gegend an der nördlichsten Ostsee gebaut werden, schicken die Millionäre und Milliardäre ihr Geld gerne an Familien um Jakobstad und Kokkola zu, damit sie sich Häuser bauen und ihr tägliches Brot essen können. So läuft’s.

Und das ist garantiert Handarbeit. Es werden nicht wenig verarbeitete Rohstoffe, sondern finnisches Können und solide Handarbeit gegen gutes Geld überallhin in der Welt exportiert.

3.

Also ”Nautor” war mir schon ein Begriff, als ich nach Kokkola kam. Und Baltic Yachts gehörte ja einst einer Firma aus meiner Heimatstadt.

Auch den Namen „Kewatec“ hatte ich schon irgendwo gehört. Damit verband ich qualitativ hochwertige Arbeitsboote. Vielleicht war ich einem Kewatec-Boot schon an der Bootsausstellung in Helsinki oder im Internet begegnet.

Und das mit der Qualität der kargen Arbeitsboote war nicht so weit von der Wirklichkeit entfernt, wie sich später herausstellte. Das wusste ich aber nicht, wo man die Firma Kewatec finden würde, dass sie im Industriegebiet Lahdenperä seinen Sitz hatte. Ich wusste nicht, dass die Firma einen eigenen Hafen hat und dass in ihm auch im Winter ein so großes Loch mithilfe von Propellern eisfrei gehalten werden kann, dass man ein Boot ins Wasser setzen kann und dass eine Hafenerprobung auch dann möglich ist, wenn an eine Probefahrt nicht zu denken ist.

Neu für mich war ebenfalls, dass dicht an Kewatec, als seine direkten Nachbarn, zwei berühmte Bootswerfte sich befanden – keine Luxushersteller, aber Produzenten von hochwertigen Booten, die weit außerhalb der finnischen Grenzen bekannt sind. Und nur einen Schritt weiter hat ihren Sitz ein Lackierbetrieb, das die bei Kewatec gebauten Boote lackiert, und noch etwas weiter eine Firma, bei der Kewatec Fenster und Türe für seine Neubauten bestellt.

Und am Rande des kleinen Industriegebiets werden weltweit bekannte Wasserstrahlantriebe hergestellt. Diese Firma hat gemeinsame Wurzeln mit Kewatec AluBoat und ist ebenfalls sein Lieferant. Sie hieß früher Rolls Royce.  Heute ist sie im Besitz des norwegischen Kongsberg-Konzerns.

4.

Jakobstad ist doch nicht so weit weg von Kokkola, wie manchmal behauptet wird. Zwischen ihnen befindet sich eine Firma, bei der sowohl der Luxusboothersteller Baltic Yachts als auch Kewatec AluBoat Inneneinrichtungsarbeiten bestellt.

Die kargen Arbeitsboote sind vielleicht nicht immer so karg, wie man es sich vorstellt. Auf diese Weise gibt es zumindest eine Verbindung zwischen Arbeit und Luxus.

In der Tat haben einige von meinen Arbeitskollegen früher bei Nautor oder Baltic Yachts gearbeitet. Das macht aus ihnen bestimmt keine schlechten Aluminiumbootsbauer. Sicherlich nicht.

Feine Kumpels und ausgezeichnete Boote.