Kewatec Aluboat

EIN FLINKER FISCH – FAB “STEINBUTT” AUF EIGENEM KIEL VON KOKKOLA NACH ROSTOCK

Martti Vaahtoranta, 10.1.2019

Eine Reise über die Ostsee und in die eigene Vergangenheit

Ich durfte am 22.-25. November 2018 als Besatzungsmitglied mit dabei sein, als das Fischereiaufsichtsboot „Steinbutt“ – ein von der Firma Oy Kewatec AluBoat Ab in Kokkola, Finnland gebautes Kewatec Patrol 1560 – „auf dem eigenen Kiel“ von der Werft nach Warnemünde gefahren wurde, um es dort seinem Besteller und zukünftigen Benutzer, der Fischereiaufsichtsbehörde des Landes Mecklenburg-Vorpommern, zu übergeben.

Diese spätherbstliche Fahrt war für mich auch eine Reise in meine eigene Vergangenheit.

Diese spätherbstliche Fahrt von Österbotten, d. h. von der Pforte der Bottenwiek, des nördlichsten Teils der Ostsee, zu ihrem südlichen Rand in der Mündung von Warnow war für mich auch eine Reise in meine eigene Vergangenheit. Damit meine ich nicht die vielen Generationen, die vor mir sowohl Waren als auch Gedanken von da aus zu uns und etwas Brauchbares auch von hier aus dahin transportiert haben. Ich meine mich selbst als Sprössling einer Familie, zu deren Identität und Leben das Bootfahren schon immer gehört.

Ich kehrte an dieser spätherbstlichen Dienstreise in die besten Erinnerungen meiner Kindheit und meiner Jugend zurück in einer Landschaft, die mir einerseits durch und durch bekannt, andererseits aber ganz neu vorkam. Zugleich war es eine Reise zurück in die besten Jahre meines erwachsenen Lebens, die ich in Deutschland, zwar wesentlich südlicher als Rostock, aber immerhin dort verbracht habe.

Muss ein Boot schnell fahren können?

Bei dieser Fahrt ging alles unerwartet schnell. Gerade waren wir irgendwo angekommen, und schon waren wir in einer ständig wechselnden Landschaft wieder weg.

Das war für mich etwas Neues. Denn ich bin ein Freund der langsamen Bootsfahrerei sowohl grundsätzlich als auch, weil ich es so am meisten genieße.

Warum sollte man schnell wieder zurück aufs Trockene, wenn man es gerade erst mit dem Segeln angefangen hat? Bei der Flaute und wenn die Sonne scheint, reicht es aus, wenn das Boot mit sechs Knoten oder auch langsamer vom Motor vorangetrieben wird. Und beim passenden Wind können unter Segeln manchmal sogar mit unserem kleinen, rundlichen Motorsegler (eine Degerö 28 MS) sieben Knoten erreicht werden!

Wenn man segelt, braucht man keinen Kraftstoff. Und das tut ja gut sowohl der Natur als auch dem Saldo auf dem Bankkonto. Auch die Seele ruht aus.

Mit der mäßigen Geschwindigkeit bleibt der Spritverbrauch pro Seemeile aber ebenfalls dann klein, wenn man den Motor benutzen muss. Trotzdem kommt man auch mit sechs Knoten weit weg, wenn der Urlaub es erlaubt und wenn man es wirklich will.

Sollen also Boote mit einer Länge von über 15 Metern und mit einer Geschwindigkeit von 35 Knoten eigentlich nur zur Belustigung ihrer Fahrer und Passagiere auf See herumfahren? Oder wäre es irgendwie angemessener, dass man mit solchen Schiffen nur kurze Strecken von einem Hafen zu einem anderen führe und dort lange bliebe? Ob die Klimafragen bald auch bei den Sportbootherstellern und -führern ankommen? Denn eine mäßige Rumpfgeschwindigkeit und kleine Wellen, die ein Boot verursacht, könnten in der Zunkunft ein besseres Verkaufsargument sein, als eine hohe Spitzengeschwindigkeit. Auch die Vögel, Fische und Robben würden dafür dankbar sein.

Die Sache sieht aber etwas anders aus, wenn es um Arbeits- und besonders Behördenboote geht, obwohl man auch bei deren Bau versucht, den Verbrauch möglichst gering zu halten. Ein Unternehmer mitten im Archipel muss schnell von Ort zu Ort kommen können. Dasselbe gilt, wenn es um ein Wassertaxi oder um einen Händler geht – ganz geschweige denn von der Polizei, der Feuerwehr oder der Seenotretter.

Ein schnelles Boot für die Fischereiaufsichtsbehörde

Wir dürfen hierbei auch eine Fischereiaufsichtsbehörde nicht vergessen. Solche gibt‘s zumindest in Deutschland. Dahin haben wir ein Fischereiaufsichtsboot geliefert, dem man schlecht entkommt, auch, wenn man es möchte, besonders mit den Booten, die die Fischer an der Küste von Mecklenburg-Vorpommern benutzen. Die Profifischer würden es wohl gar nicht versuchen, und die Hobbyangler, die etwa mehr Dorsche gefangen haben, als erlaubt, haben selten ein Boot, das eine Geschwindigkeit von über 35 Knoten erreicht.

Wir haben nach Deutschland ein Fischereiaufsichtsboot geliefert, dem man schlecht entfliehen kann.

So schnell fuhr nämlich die „Steinbutt“, als wir es kurz vor der Ankunft im Warnemünder Hafen versucht haben.

Es war schnell. Sehr schnell.

Also, auch wenn man keine Schurken im Visier hätte, könnte man zumindest innerhalb eines Arbeitstages viel leisten und dennoch die Nacht im eigenen Bett zu Hause schlafen. Auch dies soll man nicht unterschätzen.

Und obwohl bei dieser Geschwindigkeit schon viel Kraftstoff verbraucht wird, ist der Spritkonsum eines Aluminiumbootes dennoch mäßigerer, als eines entsprechenden Stahlschiffes. Auch die topmodernen Motoren der neuen „Steinbutt“ dürften weniger Diesel pro produzierte Pferdestärke verbrauchen als die ganz alten. Sauberer sind sie auf jeden Fall.  Und der Verbrauch der „Steinbutt“ bei der Reisegeschwindigkeit bleibt bei nur fünf Litern pro Seemeile.

Traumwitterung

Die Kiellegung von Steinbutt fand in der Schweißhalle von Kewatec AluBoat im Industriegebiet Lahdenperä, Kokkola, im Mai 2018 statt. Nach der intensiven Schlussphase der Endausrüstung und nach den Probefahrten in Kokkola haben wir das Boot gegen Ende November desselben Jahres selbst nach Deutschland überstellt.

Um diese Jahreszeit kann man auf der Ostsee realistisch gesehen alles Andere als ruhiges, schönes Wetter erwarten. Eher wären es voneinander folgende Sturmtiefe direkt aus der Nordsee oder zumindest ein starker Südwestwind, die uns bei unserer Fahrt hätten begleiten oder sie gar verhindern können. Es ging aber ganz anders: Uns wurde sozusagen ein ”Wetterfenster“ mit zuerst Sonnenschein und kaum Wind und dann mit einem Rückenwind höchstens mit der Stärke 6 geöffnet.

Die schnelle Fahrt war für uns auch eine Bestätigung dafür, dass das Kewatec Patrol 1560 keine Angst vor dem Meer hat.

Das war ein großes Geschenk, das es uns möglich machte, auch den optimistischsten Zeitplan zu unterschreiten. Wir waren am Zielort einen Tag früher, als der kühnste Zeitplan es vorgesehen hatte! Wir mussten nicht auf das günstige Wetter irgendwo an der Strecke warten. Es wäre teuer geworden und langweilig gewesen, auch in einem noch so guten Hotel.

Andererseits ging es nicht nur um das gute Wetter. Die schnelle Fahrt war für uns auch eine Bestätigung dafür, dass das Kewatec Patrol 1560 keine Angst vor dem Meer hat, auch wenn es mal ein wenig windig sein sollte.

Von Kokkola nach Kaskinen

Ich durfte leider nicht die ganze Reise mitmachen. Für den Anfang des ersten Reisetages gab es für mich anderes zu tun.

Daher stand ich auf dem Kai, als unser Skipper, der Steuermann und Lotsenbootführer Mikael Hagman früh am Donnerstagmorgen am 22.11.2018 die beiden Zündschlüssel der Steinbutt betätigte und die zwei auch als Modell nigelnagelneuen Volvo Penta D8-510 Common Rail -Sechszylinderdieselmaschinen startete.

Wenn man es von einem großen Dieselmotor sagen kann, dass er „schön läuft“, muss man es jetzt tun. Kein Klirren oder sonst unangenehmes Geräusch, sondern ein schöner Maschinenklang! Und die Schalldämpfer von Halyard kümmern sich darum, dass dieser Sound auch die Umgebung nicht stört.

Der Morgen war kalt. Es gab leichten Frost. Der Himmel war aber wolkenlos und die See still, als die Leinen gelöst wurden und die beiden in der direkten Nachbarschaft von Kewatec hergestellten Rolls Royce 32A3 –Wasserstrahlantriebe die Steinbutt durch das dünne neue Eis zum freien Wasser schoben. (Nach der Fertigstellung der “Steinbutt” hat der norwegische Konzern Kongsberg die Fertigung der Wasserstrahlantriebe in Kokkola übernommen.)

Die Rolls Royce -Wasserstrahlantriebe und „Steinbutt“ warten auf den Stapellauf.

Die Joysticksteuerung, mit deren Hilfe das Boot auch seitwärts bewegt oder auf der Stelle gedreht werden kann, fand schon jetzt Gebrauch. Später, unterwegs, wurde sie dazu benutzt, um das große Boot im engsten Raum in den kleinen Häfen zu wenden und zu bewegen. Die Gelenkigkeit von Steinbutt wunderte uns immer wieder.

Die Gelenkigkeit von Steinbutt wunderte uns immer wieder.

 

Ein spätherbstlicher Nachmittag wie ein früher Sommermorgen

Ich war an der Reihe in Kaskinen. Da hat der Geschäftsführer Jens Ahlskog das Boot verlassen, und ich habe meinen Platz als Besatzungsmitglied genommen. Als Dritter mit dabei war der Installateur und ausgesprochene Kenner des Bootes Kari Ikonen. Seine Fähigkeiten durften wir mit dem Skipper unterwegs schon öfters bewundern.

Die Wechselbesatzung wartet auf die „Steinbutt“.

Das hübsche Städtchen mit seinen alten Holzhäusern war mir bekannt. Im August 2018 hatten wir im Gästehafen von Kaskinen das von uns an das Rettungsamt Satakunta gebaute Ölbekämpfungsschiff „Anne-Marie“ (ein Kewatec Work 1560 ORV) bei der Fahrt von Kokkola zu seinem Heimathafen in Pori getankt. Ein Jahr davor hatte ich mit meiner Frau während unserer sommerlichen Urlaubsreise mit dem eigenen Boot in Kaskinen übernachtet.

Auch damals war das Wetter schön wie jetzt, nur etwas wärmer. Dennoch war es nicht schwer sich vorzustellen, dass es statt Ende November ein früher Morgen nach einer kurzen, kalten frühsommerlichen Nacht Anfang Juni wäre. Sogar die Sonne hat mich noch aufgewärmt – wenig, aber spürbar.

Die Illusion war auch dann nicht vorbei, als die Leinen los waren und wir weiterfuhren. Noch im Hafengebiet von Kaskinen machten wir nur einige Knoten. Jemand dürfte auch etwas gegessen haben, weil es so ruhig war. Die sinkende Sonne schien, und die See war glatt.

Anders wurde es, als wir vom Schutz der Inseln auf das offene Meer fuhren. Auch jetzt gab es kaum Wind, aber der vom früheren Wind verursachte Seegang war noch zu spüren. Und weil darüber hinaus die Wellen teils aus unterschiedlichen Richtungen kamen und einen Kreuzwellengang verursachten, war es in dem Boot, das jetzt die Marschgeschwindigkeit fuhr, nicht mehr so leicht, etwas zu erledigen. Wie alle die wissen, die sich an gleitende Boote gewöhnt haben, schaukelt so ein Boot nicht ähnlich wie ein Verdränger. Eher schlägt es sich gegen die Wellen oder schaukelt mit schnellen, kantigen Bewegungen.

Mondschein und ein angenehm warmes Boot

Jetzt gab es eine weitere Illusion: es war nicht mehr wie ein heller nordischer Junimorgen nach einer Nacht, die gar nicht dunkel werden wollte, sondern wie ein später, warmer Augustabend. Die Sonne verschwand langsam unter den Horizont, und das unsagbar schöne Abendrot am klaren Himmel dauerte länger als man hätte warten können. Und der immer höher steigende Vollmond beleuchtete mit seinem silbernen Licht das Meer auf der Landseite.

Draußen war es aber kalt, höchstens 5 Grad Celsius und wahrscheinlich noch kälter. Drinnen hat man’s jedoch gar nicht bemerkt. Wenn etwas auf dieser Reise bewiesen wurde, dann wenigstens, dass die Heizung von „Steinbutt“ für alle die Wetter, in denen sie benutzt wird, abundant ausreicht.

Die „Steinbutt“ ist ja nicht zum Fahren im Eis vorgesehen. Ein leichter Frost ist für sie dennoch kein Problem, auch kein dünnes Eis. Und frieren müsste man in ihrer Steuerkabine oder in ihrer Kajüte wahrlich nicht auch dann, wenn es etwas kälter werden würde!

So mussten wir während unserer Fahrt bei laufenden Motoren kein einziges Mal den Dieselheizer (Eberspächer Hydronic M10) des Bootes benutzen. Nur am Kai kümmerte sie sich um die nötige Wärme. Die Restwärme der Motoren, die mithilfe von Wärmetauschern und mit ihnen kombinierten Lüftern vom Warmwasserkreislauf getragen in das ganze Boot verteilt wurde, reichte problemlos dazu aus, die Räume und die Mannschaft warmzuhalten.

Auch die elektrische Heizung der Windschutzscheiben und der vorderen Seitenfenster in der Steuerkabine wurde nicht gebraucht. Die Lüftungsdüsen, die warme Luft auf die Fenster blasen, hielten sie trotz der drei Männer in der Kabine klar und durchsichtig, wo die Sicht nach Außen nötig war. Auch das trocknende Salz auf den Windschutzscheiben war kein Problem, denn mithilfe der effektiven Wischanlage war es leicht abzuwischen. Und die Raumthermostaten in der Kajüte, in der Toilette, in der Kabine sowie im Maschinen- und Tankraum hielten die Wärme auf gewünschtem Niveau.

Es wurd bewiesen dass die ”Steinbutt” bei jedem Wetter ausreichend geheizt werden kann.

Zum Komfort an Bord trug auch der niedrige Geräuschpegel einiges bei. Die laufenden Motoren störten nicht, obwohl man es wahrnahm, dass sie ihre Arbeit leisteten. Sind doch die ganze Steuerkabine und der Oberteil der Kajüte schwimmend aufgebaut.

Weil das Wetter es erlaubte, ließen wir die steinigen Gewässer von Merikarvia und auch die Stadt Pori weit weg links liegen. Draußen auf der offenen See war es im Mondschein viel leichter zu navigieren als auf den engen Fahrrinnen.

Verkehr gab es wenig. Den haben wir auf dem Radarbildschirm und mithilfe von AIS verfolgt.

Und meistens hat unser Skipper Mikael aufgrund der Namen der Schiffe gewusst, woher sie kamen und wohin sie fuhren und was sie transportierten. Es ist ja seine reguläre Arbeit, diese Schiffe mit Lotsen zu besetzen und sie wieder auszuholen.

Die bekannten Inseln in einer seltenen Beleuchtung

Als wir die Lichter und den Rauch aus den Schloten von meiner Geburtsstadt, des alten Rauma vorne links gesichtet haben, war es langsam an der Zeit, näher an das Ufer zu fahren. Es war unsere Absicht, bei der Insel Kajakulma auf die Innenfahrrinne einzufahren und ihr quer über Lyökin aukko und durch Lyökin kurkku bis nach Uusikaupunki zu folgen. Dort sollten wir Kraftstoff bunkern und übernachten.

Kylmäpihlaja, die kleine Schäre mit dem Leuchtturm von Rauma, verließen wir links. Rihtniemi habe ich in der Dunkelheit nur da geahnt, wo einige Lichter aus Sommerhäuschen zu sehen waren. Also war jemand auch im Spätherbst da! Und noch etwas weiter – da wäre die Bucht gewesen, an deren Ufer ich zu Hause bin.

Am Leuchtfeuer von Kajakulma sind wir dagegen ganz nahe vorbeigefahren. Es war merkwürdig die von der Kindheit an bekannte Landschaft, die heimischen Schären und Gewässer, jetzt am Ende November bei Mondschein zu betrachten. Wir mussten nicht „blind“ fahren. Wir haben die Schären gesehen. Dennoch war es, als ob wir geträumt hätten.

Die Bake von Lyökki haben wir nicht gesehen, die Schäre, worauf sie steht, im Mondschein schon. Und wenn wir am Lyökin kurkku, der engen Fahrrinne mit dem alten Lotsenhaus daran, näherten, haben wir die ferngesteuerten Scheinwerfer in Gebrauch genommen und sowohl die grünen als auch die roten Bojen gefunden.

Wir waren auch nicht allein da. Vor uns fuhr ein weiteres Schiff, die von Putsaaren aukko direkt Richtung Uusikaupunki der Fahhrinne entlang fuhr, die auch ich bei Tageslicht benutzen würde. Jetzt habe ich aber vorgeschlagen, dass wir geraden Weges auf die tiefe und breite Schiffsfahrrinne und ihr entlang bis zur Tankstelle Teboil Suukari in Uusikaupunki führen.

Und wie ein Flugzeug bei der Landung auf die Landebahn fuhren wir mit bis zu 30 Knoten zwischen den blinkenden Bojen auf beiden Seiten von uns, umrundeten die Insel Iso Haidus und die jetzige Halbinsel Hanko mit der Düngemittelfabrik und kamen letztlich an der Tankstelle in der Mündung von Kaupunginlahti von Uusikaupunki an.

Das Sommerparadies in der spätherbstlichen Nacht

Uusikaupunki war die winterliche Heimatstadt meines Großvaters. Die Sommerurlaube der Lehrerfamilie wurden aber in Rauma verbracht. Da kam die Familie her.

Die Reise in beide Richtungen wurde mit einem zweimastigen, offenen Segelboot gemacht. Die Ruder gehörten natürlich zu seiner Ausrüstung, wurden aber nur bei völliger Flaute benutzt. So wurde jedenfalls behauptet.

Heutzutage ist Uusikaupunki ein äußerst beliebtes Urlaubsziel für Sportbootfahrer und Segler. Die Tankstelle auf Suukari kennen viele von denen, die im Gästehafen direkt an der Innenstadt und an der alten Kirche mal waren. Da pflegen auch wir bei unserer Reise von Süden nach Hause, unser Boot zu bunkern und den Fäkalientank zu entleeren, bevor es weiter Richtung Norden geht.

Und wie besprochen, wartete noch spät am Abend da auf uns der Vertreter des Besitzers der Tankstelle, des Arbeitermotorbootklubs in Uusikaupunki, Seppo Lundelin. Er konnte uns auch einen Hinweis in Sachen Übernachtung gehen.

Denn uns waren Zimmer im Hotel in der gegenüberliegenden Seite der Bucht reserviert worden, und am Pier des Hotels hätten wir auch liegen können. Aber stimmte das? „Doch“, sagte Seppo Lundelin: wir könnten am Pier des Hotelbesitzers anlegen. Und ich habe die Rezeption des Hotels angerufen und erhielt in der Tat sowohl die Erlaubnis, da anzulegen, als auch den Code, der uns das Tor zum Pier öffnete.

Ärgerliche Kleinigkeiten

Leider haben wir nicht nur einen Platz am Pier und dann auch Landstrom gefunden: die Jets -Vakuumtoilette, die bis dahin ausgezeichnet funktioniert hatte, wollte uns nicht mehr dienen. Jawohl, Wasser floss in die Toilettenschüssel rein. Nein, das Wasser wollte nicht mehr weg davon, auch nicht, obwohl die Vakuumpumpe beim Drucken des entsprechenden Knopfes ordentlich lief. Wasser kam ein, ging aber nicht aus.

Es ist vielleicht unpassend, über solche Dinge zu schreiben. Und für die richtig barschen Seeleute ist so etwas überhaupt kein Problem. Selbstverständlich nicht.

Ich bin aber gar nicht barsch, und ein Gedanke von einer herbstlichen Fahrt nach Deutschland ohne Toilette war für mich nicht besonders verlockend. Und der Kunde möchte ja sicherlich ein Boot mit einem funktionstüchtigen stillen Örtchen haben.

So habe ich den anderen schon vorgeschlagen, dass wir am nächsten Morgen den Platz wechseln würden und versuchten, ob jemand uns an der benachbarten Bootswerft Salmeri helfen könnte. Von den Serviceleistungen dieser Werft hatte ich sehr gute Erfahrungen. Vielleicht würde es auch jetzt klappen.

Doch das wäre völlig verkehrt gewesen. Denn wir bei Kewatec sind ja diejenigen, die die Boote bauen und reparieren! Wenn wir die Toilette nicht in Ordnung bringen könnten, wer denn sonst?

Gerade wegen solcher Sachen ist es gut, das Boot mit der eigenen Besatzung zum Kunden zu bringen.

So fing Kari Ikonen an, der Sache nachzugehen. Es war auch in der nächtlichen Dunkelheit einfach, weil das ganze Boot von den Tank- und Maschinenräumen aus bis zum Deck überall mit effektiven LED-Lichtern sehr gut beleuchtet ist.

Es wurde also geprüft und probiert und nachgedacht, bis die Diagnose fertig wurde: einer der Rohranschlüsse des Abflusssystems hatte sich während der Fahrt und wohl wegen der Wellenstöße dermaßen gelockert, dass dadurch Luft in das System gelangte, und die Pumpe konnte kein ordentliches Vakuum in die Saugleitung produzieren.

Wegen solcher Sachen ist es gut, das Boot mit der eigenen Besatzung zum Kunden zu bringen. Es wäre weniger schön gewesen, von so einem Fehler vom Kunden gehört zu haben, während das Boot gerade auf See eingesetzt worden wäre. Nun wurde aber der Fehler schnell behoben, und die Toilette funktionierte wieder wie von eh und je. Erleichterten Sinnes konnten wir unsere Hotelzimmer in Besitz nehmen, um uns für den nächsten Reisetag zu erholen.

In den frühen Morgenstunden wurde ich aber wach und erinnerte mich plötzlich, dass wir, müde wie wir nach einem sehr langen Arbeitstag waren, nicht zurückgeblickt hatten, als wir das Boot verließen. Also wussten wir auch nicht, ob das Ankerlicht an war. Und dies wäre ein Zeichen dafür gewesen, dass der Landstrom richtig funktionierte.

Komisch, dass ich dennoch eine Weile weiterschlafen konnte. Aber schon vor dem Frühstück lief ich zum Hafen, um zu sehen, ob das Ankerlicht von „Steinbutt“ zu sehen wäre.

Ja, sie war es. Aber wenn ich es nicht kontrolliert hätte, wie wäre es wohl dann damit gewesen?


Die Kajüte

Die Pentry 

Die Toilette

Weiter bei geändertem Wetter

Der neue Tag, der Freitag, 23.11.2018, hat ein geändertes Wetter mitgebracht. Der Himmel war bewölkt, als wir noch in der Dämmerung losbrachen. Auch der Wind war wach geworden und blies uns entgegen – nicht kräftig, aber immerhin.

Und wieder muss ich an meine kleine Degerö und an all die anderen Boote denken, mit denen ich seit meiner Kindheit auf diesen Gewässern außerhalb von Uusikaupunki und zwischen Kustavi und Pyhämaa, auf dem Seksmiilari, gefahren bin und gesegelt habe. Nie zuvor sind zuerst Medelklubb und dann Isokari so schnell verschwunden, wie jetzt, auch, wenn die scharfen Gegenwellen die Fahrt etwas verhindert oder sie wenigstens weniger bequem gemacht haben.

Zwar stören die Stöße und das kantige Schaukeln die Besatzung so lange kaum, wenn sie auf ihren ausgezeichneten Grammer Avento Pro -Sitzen bleiben. Es hat eine Weile gedauert, bis wir zuerst in Kokkola und dann erneut unterwegs alle Einstellungsmöglichkeiten dieser Sitze gefunden und gelernt haben. Aber wunderbar dämpfte die Luftfederung die Stöße so, dass man auf dem Sitz auch mal ein Nickerchen hätte machen können. Nur der laute Kompressor für die Höhenstellung und für die Dämpfregulierung der Sitze stört die Ruhe. Den braucht man aber so selten, dass auch dies kein Problem ist.

Die Stöße und das kantige Schaukeln stören die Besatzung so lange kaum, wenn sie auf ihren ausgezeichneten Sitzen bleiben.

Wenn man dagegen anderswo sitzt oder auch steht und besonders, wenn man sich an Bord bewegt, spürt man die Kraft der Wellen. Man muss aufpassen, um sich und die anderen nicht zu beschädigen, etwa wenn man aus der Kajüte sich oder der sonstigen Besatzung etwas zum Essen oder Trinken holt. Welch ein Glück, dass es im Boot reichlich Handgriffe zum Festhalten gibt!

Ja, und die Hersteller der unterschiedlichen Navigationsgeräte usw. täten es gut, wenn sie deren Ergonomie auch an Bord eines fahrenden Bootes bei Seegang, nicht also nur in Fabrikräumen, in einem unbeweglichen Boot am Kai oder vielleicht auf der Brücke eines großen Schiffes, probieren würden. Es ist nicht gerade leicht, mit dem Finger irgendeinen kleinen Knopf zu treffen, geschweige denn von Gleitschaltern auf einem Berührungsbildschirm, wenn das Boot auch ein wenig schaukelt, oder gar in einer groben See und bei hoher Geschwindigkeit.

Seerauch und andere Sehenswürdigkeiten

Irgendwie haben wir die richtigen Einstellungen gefunden. Hunger hatten wir noch nicht. Gerade erst hatten wir ja im Hotel reichlich gefrühstückt, obwohl die höheren Hügel von Åland schon in der linken Seite gesichtet wurden.

Das waren die „Berge“ Orrdalsklint und Getabergen, die südlich und weit entfernt von uns verblieben. Wir fuhren also nicht bei Dånö Gamla auf die enge Fahrrinne zwischen den Schären rein und wollten auch nicht zum Gästehafen in Käringssund. Auch den Leuchtturm von Sälskär haben wir links liegen lassen.

Denn wir hatten einen Plan.

Ursprünglich hatten wir vor, von Uusikaupunki nur noch nach Mariehamn auf Åland zu fahren, um dort zu tanken oder gar, um zu übernachten, wenn das Wetter eine Überfahrt nach Schweden über das Åländische Meer nicht erlaubt hätte.

Wir würden Zeit und Seemeile sparen , wenn wir das ganze Åland herumführen.

Doch schon am Morgen schlug der Skipper vor und nach einer Besprechung mit der Mannschaft auch entschied, dass wir Zeit und Seemeile sparen würden, indem wir das ganze Åland herumführen.

Denn wir hatten reichlich Reservekraftstoff gut verstaut in den Kanistern auf dem Deck und in den Staukästen mit dabei. Wir könnten das Boot also unterwegs betanken. Diese knappen 200 Liter Diesel würden uns eine Reichweite sichern, die es uns zuließe, für die nächste Nacht bis nach Arkösund an der Mündung von Bråviken südlich von Stockholm und östlich von Norrköping fahren.

Als wir aber Åland gerade auf unsere linke Seite verließen, schien es plötzlich so aus, als ob von unserem Plan nichts werden würde. So dachte zumindest ich, weil wir eindeutig und mit guter Geschwindigkeit direkt zu einer Nebelbank fuhren. Im Nebel 25 Knoten zu fahren wäre aber vielleicht nicht so klug, und viel langsamer würden wir Arkösund keineswegs innerhalb eines Tages erreichen.

Oder war es Nebel? Als Küstenbewohner kenne ich natürlich den Seerauch und habe es oft beobachtet, aber nur vom Land aus. Mitten im Seerauch war ich nie gewesen. Und darum ging es jetzt mit dem Nebel, den wir vor uns sahen. So sagte es uns der Mikael, der es ja wissen muss.

Diese Art von Nebel entsteht, wenn die Luft kalt und das Wasser im Vergleich damit warm ist. Das Wasser verdunstet oberhalb der Meeresoberfläche. Jetzt gab es aber keinen gleichmäßigen Nebel, sondern eher Nebelsäulen, die zusammen wie einen Wald bildeten. Das war merkwürdig und beeindruckend, besonders, als die Sonne sich hin und wieder zwischen den Wolken blicken ließ.

Glücklicherweise wurde daraus kein dauerhafter Nebel. Auch sowohl der Radar als auch das AIS funktionierten. Beides war bei begrenzter Sicht nötig, denn jetzt gab es dem Ahvenanrauma entlang in beide Richtungen Schiffsverkehr genug. Das ist ja die alleinige Stelle, wo die Schiffe von der offenen Ostsee in den Bottnischen Meerbusen hinein und wieder daraus fahren können.

Wir hatten aber mit diesem Schiffsverkehr überhaupt keine Probleme. Wir fuhren quer über das Åländische Meer und bald schon am Simpnäsklubb und an Arholma vorbei in den Archipel von Stockholm hinein.

Das Leuchtfeuer von Simpnäsklubb bleibt auf der Backbordseite. Auf dem Deck und auf der Arbeitsplattform gibt es Last für die Überfahrt.

Die letzten Reste des Seerauches beim Einfahren in den Archipel.

Mittagessen an Bord

Der Archipel von Stockholm ist schön, sogar sehr schön. Ich kenne ihn als solchen, wie die grünen Bäume die kargen Felsen zieren und diese entweder im Sonnenlicht baden oder manchmal vom Regen nass werden, auch dann aber sommerlich bleiben. Jetzt war die Schönheit dieses Archipels anders – teilweise vereiste Felsen, die aus dem noch übriggebliebenen Nebel herausragten, und weiß gekleidete Bäume und Wald. Sehr schön war es aber auch jetzt. Daher musste ich mit der Kamera auf das Deck, obwohl es draußen kalt und windig war. Solche winterliche Schönheit sollte unbedingt verewigt werden!

Und es gab keinen Seegang mehr hier im Schutz der Schären. Hunger hatten wir aber schon. Jetzt musste Mittagessen her!

Essen hatten wir genug an Bord. Es blieb sogar einiges davon übrig, als ich als das letzte Besatzungsmitglied das Boot in Warnemünde verließ. Unser Arbeitgeber hatte mit einer viel längeren Reise gerechnet. Deshalb fehlte es weder an Fertiggerichten im Kühlschrank noch am Brot, Äpfeln und sonstigen leckeren und nahrhaften Sachen in den anderen Schränken. Getränke gab es auch.

Der Mikrowellenofen und die Kaffeemaschine funktionieren auch mit dem Strom aus den Verbraucherbatterien.

Und jetzt wollte der Skipper Fischsuppe haben. Kein Problem! Auch sie hatten wir im Kühlschrank.

Klar war es aber, dass es auch jetzt nicht ginge, etwas auf der Induktionskochplatte zu kochen. Auch so eine gehört zur Ausrüstung der Pantry, wird aber nur am Pier oder höchstens beim Ankerliegen benutzt. Und wenn es keinen Landstrom gäbe, sollte man beim Kochen den Generator anschalten. Der Mikrowellenofen und die Kaffeemaschine funktionierten dagegen mithilfe des Mastervolt-Inverters auch mit dem Strom aus den Verbraucherbatterien.

Die beiden und besonders den Mikrowellenofen kann man auch bei einem leichten Wellengang benutzen. Die Tür des Ofens bleibt zu, und die Kaffeemaschine wurde mit Schrauben auf den Tisch befestigt. Sie hat auch keine gläserne Kaffeekanne, sondern eine Thermoskanne aus Stahl, und einen Thermostat, der den Strom sofort ausschaltet, wenn der Kaffee fertig ist. Ein tolles Ding!

Nun wurde die Fischsuppe im Mikrowellenofen heißgemacht, und fertig war sie fast gleichzeitig damit, dass wir die Stelle vor Kapellskär erreichten, wo sich die Route der Autofähren aus Stockholm nach Turku und die Fahrrinnen Richtung Süden und Südwesten kreuzen. Mikael ließ das Boot langsam in einem Kreis fahren, indem er zufrieden seine Suppe aß und wir alle die annähernde Viking Grace mit ihrem Rotorsegel beobachteten.

Die „Steinbutt“ denkt nach, ob aus Stockholm die Zukunft – Gas- und Windkraft – komme. Im Bild zu sehen sind auch der große Radarreflektor Echomax EM230, die hohen, von innen und von außen verschließbaren Belüftungsschächte, die beim Umkippen des Bootes sich automatisch schließenden Lüftungsröhre, die zusammenfaltbare Leiter zum Kabinendach, ein Staukasten, der Bootshaken und eine von den Deckenlichtern.

Mythische Seelenlandschaften

Nach dem Essen – und der Rest der Besatzung durfte jetzt etwas ebenfalls Leckeres zu sich nehmen – fuhren wir weiter in die südliche Richtung einer Fahrrinne entlang, die in meinen Erinnerungen im rosaroten Licht der Traumwelt eines Kindes und auch noch eines Jugendlichen erscheint: Die traditionelle sommerliche lange Booturlaubsreise meiner Familie ging öfters gen Süden, nach Öland, Gotland, Göta Kanal, Bornholm oder nach Kopenhagen. Und hier ging es meistens entlang, hin und zurück. Daher haben Namen wie Möja, Rödlöga oder Dalarö, wo wir immer tankten, einen Klang, den sie bestimmt nicht hätten, wenn ich sie erst als Erwachsener kennengelernt hätte.

Wir sind weiter Richtung Süden einer Route entlanggefahren, die in meiner Seele mit märchenhaften, warmen Erinnerungen aus der Kindheit verbunden ist.

An sie alle sind wir jetzt vorbeigefahren, und zumindest einem Segelboot sind wir begegnet, als wir letztlich an eine weitere in meiner Seelenlandschaft mythische Stelle gelangten: Mysingen ließen wir hinter uns, um im Lee von Landsort das Boot zu tanken.

Von Landsort aus pflegten wir nach Gotland zu fahren. Nun fuhren wir ganz dicht daran, um Lee im Schutz der Felsen zu finden. Das hatten wir dann auch, doch die Wellen haben nach ihrer schlechten Gewohnheit die Insel umrundet und uns geschaukelt.

Trotzdem hat Kari die zwanzig Kanister in die Tanks des Bootes so schnell, wie es nur ging, entleert. Dann fuhren wir weiter. Es würde nicht mehr lange bis Arkösund dauern.

Eine schwimmende Drive-In -Tankstelle. Zu sehen im Bild sind auch der entleerbare Kasten für eventuell überfließenden Kraftstoff und die Taurus-Sicherheitsschiene, die die Kabine und die Kajüte umrundet und an den man sich anbinden und sich trotzdem frei auf dem Deck bewegen kann.

Sind wir wirklich so weit an einem Tag gefahren?

Ich erinnere mich nicht, dass wir auf unseren Urlaubsreisen mal im Sommerparadies Arkösund übernachtet hätten. Wir haben die Gästehäfen sowieso vermieden und so oft, wie möglich, die Naturhäfen besucht.

Arkösund war aber jetzt unser nächstes Ziel. Wir hatten dort wieder eine Betankung, jetzt mit einem unserer Kunden, vereinbart. Und schlafen wollten wir ebenfalls.

Zuerst sollten wir aber nach der kurzen Strecke auf der etwas offeneren See die Route um die Leuchtturminsel Hävringe an deren Westseite und dann wieder in den Archipel hinein finden. So ging es auch, und bald fanden wir uns in der Abenddämmerung im Hafen von Arkösund.

Der war fast leer. Im Gästehafen lagen ein Paar einsame Boote, und eines dürfte während des Abends hingekommen und wieder weggefahren sein. Sonst war der Hafen tot. Nur in der Hütte der Seenotretter war Licht, doch auch da war niemand zu Hause.

Tanken konnten wir aber allein. Und das Taxi, das für uns bestellt worden war, kam just rechtzeitig an und holte uns ab. Schlafen durften wir in einem Hotel im Zentrum vom fernen Norrköping. Das Hotel in Arkösund war im Winter geschlossen.

Woher Strom für die Nacht?

In der Zwischenzeit hatten wir – oder zumindest ich – eine gewisse Sorge: laut unserem Kunden, mit dem wir im Kontakt waren, würden wir keinen Landstrom im Hafen von Arkösund zapfen können. Und das war nicht gut. Das Boot konnte ja keineswegs für die lange und kalte Nacht ohne Heizung verlassen werden. Minusgrade morgens im Boot wäre in keiner Hinsicht ein wünschenswerter Zustand. Wenn wir aber ohne Landstrom den Eberspächer zusammen mit dem Kühlschrank laufen ließen, könnten die Verbraucherbatterien trotz ihrer beachtlichen Größe am Morgen leer sein. Und das wäre schlimm.

Natürlich hätten wir den Hilfsmotor starten können. Die „Steinbutt“ verfügt über einen gekapselten Cummins Onan Marine MDKDV -Generator, der von einem effektiven, zuverlässigen und leisen wassergekühlten vierzylindrigen Kubota-Diesel getrieben wird. So einen Kubota haben wir auch in unserem eigenen Boot, nicht als Hilfsdiesel, sondern als seine einzige Maschine. Der Motor hat zwar nur drei Zylinder und ist schon ein Vierteljahrhundert alt, ist aber nach wie vor ein gutes Gerät. Dennoch hatte ich Angst davor, die Maschine in „Steinbutt“ die ganze lange Nacht allein und ohne Aufsicht im fernen Gästehafen laufen zu lassen, indem wir ruhig im Hotel schlafen sollten. Und Sprit würde dabei auch verbraucht.

Natürlich hätten wir den Hilfsmotor starten können.

Also ging ich während der Betankung den Gästehafen etwas erforschen. Ich hatte bemerkt, dass die schwimmenden Kais beleuchtet waren. Irgendwoher mussten die Lampen Strom erhalten!

Und in der Tat: Von einem der am Kai liegenden Boote ging ein Stromkabel hinüber zum Kai. Der konnte unmöglich nur so da sein. Es musste Strom durch das Kabel fließen.

Dann habe ich ein Schild mit der Telefonnummer der lokalen Hafenaufsicht gefunden. Da könnte man anrufen und nachfragen. Das tat dann unser Schwedisch als Muttersprache sprechender Skipper Mikael sofort – und uns wurde tatsächlich zugesagt, dass wir im Gästehafen anlegen könnten und dort auch Landstrom bekämen.

Steinbutt im Gästehafen von Arkösund.

Also so taten wir. Und beim Anschließen des Kabels an die Steckdose sahen wir gleich am gezündeten Ankerlicht, dass die „Steinbutt“ jetzt mit Landstrom beliefert wurde. So fuhren wir erleichtern Sinnes mit dem Taxi zum Hotel.

Den Tag haben wir mit einem späten Abendessen beendet. Wir hätten nie geglaubt, dass wir nach dem zweiten Reisetag schon auf diesen Breitengraden sein würden. Von Uusikaupunki nach Arkösund in nur einem Tag – das war schon eine Leistung. Oder ein Geschenk.

Arkösund in der Morgendämmerung.

Kalmarsund und der Marinehafen Karlskrona

Am Samstagmorgen, 24.11.2018 hat das Taxi uns vom Hotel schon um Viertel vor sieben abgeholt. Das Wetter war fast winterlich. Es hat unterwegs hin und wieder geschneit, und Arkösund war jetzt, wenn möglich, noch malerischer als am Abend. Die Kais waren glatt von Schnee, aber keiner von uns ist ausgerutscht und unfreiwillig baden gegangen.

Jetzt war unser erstes Ziel der enge Kalmarsund zwischen der Insel Öland und dem Festland. Mitten im Sund würden wir der hohen, einsamen Insel Blå Jungfru vorbeifahren. Bei Kalmar würden wir die Ölandbrücke unterfahren.

Bei Kalmar würden wir die Ölandbrücke unterfahren.

Das Wetter war trüb, und es hat hin und wieder etwas geregnet. Wind gab es auch, doch es war Rückenwind. Er hinderte uns nicht daran, mit einer guten Geschwindigkeit Richtung Süden zu fahren. Der Skipper war mit den Fahreigenschaften des Bootes sehr zufrieden.

Langsam ging aber der „Steinbutt“ der Sprit aus. Das wussten wir natürlich schon im Voraus. Deshalb war als nächste Tankstelle der alte Marinehafen und die UNESCO-Welterbestätte Karlskrona gewählt worden.

Ölandbrücke

Hanö-Bucht, die alte Bekannte

Unser Skipper Mikael hat auch einen Beschluss gemacht, der sich spätestens im Nachhinein als exakt der richtige erwiesen hat – dass nämlich wir in Karlskrona nicht einen touristischen Abend verbringen und dort nicht übernachten, sondern direkt nach Ystad in Skåne fahren würden.

Noch hatten wir einen mäßigen Rückenwind. Vom nächsten Tag wussten wir aber noch nichts. In Ystad sollten wir einen Gästehafen zum Übernachten finden. Der würde etwas flach und eng sein, aber dort könnten wir das Boot sicher die eine Nacht liegen lassen.

Und feierlich war es seit langem wieder über die Hanö-Bucht zu fahren. Davon wird gesagt, dass es ähnlich wie mit der Biskaya sei – also, wenn jemand behauptet, da gesegelt zu haben, ohne dass sein Schiff geschaukelt hätte, sei gar nicht da gewesen.

Schon oft habe ich diese Bucht überquert, ein Paar Mal mit dem Boot und viel öfter mit einem Schiff von Finnland nach Deutschland oder anders herum. Beim ersten Mal war es im Sommer 1998 mit dem Boot unserer Familie. Ich war so etwas wie Funker als Teil der Besatzung von „Pauha III“.

Die späte, äußerst leckere Fischmahlzeit hat mich aber daran verhindert, rechtzeitig mithilfe der damaligen Spitzentechnologie, mit einem Funkpeilgerät, den Leuchtturm von Sandhammaren und wohl auch ein anderes Funkfeuer anzupeilen, um durch die Kreuzpeilung unsere genaue Position bestimmen zu können. Trotz der diesbezüglich unvorteilhaften Dämmerung habe ich die Signale nach einigen vergeblichen Versuchen letztlich gefunden. Daher konnten wir nach ein paar Stunden in den mit Wellenbrechern geschützten alten Hafen der Insel Christiansø in der dunklen, warmen Julinacht hineinfahren.

Nicht zu vergessen ist auch der Abend, als unsere Kinder noch klein waren und wir im April 1991 mit der alten Finnjet die Hanö-Bucht überquerten. Wir hatten das Kabinenfenster in Richtung Bug, und als die Kinder schon schliefen, konnten wir Eltern betrachten, wie unzählige kleine Lichter sich um uns bewegten – oder eher wir mitten unter ihnen. Das waren wohl Fischer mit ihren Fanggeräten. Hatte doch auch unser jetziger Nachbar, der Berufsfischer, noch vor einigen Jahren seinen Trawler in Rønne stationiert, bevor er angefangen hat, Strömlinge in den heimischen Gewässern zu fangen.

Auch jetzt haben wir ein paar Trawler gesehen. Vom letzten von denen glaubte ich, der würde ganz mächtig qualmen. Mikael hat mich aber eines Besseren belehrt: Es ging um einen Riesenschwarm von Möwen im Licht der Scheinwerfer des Trawlers.

Den haben wir höchstwahrscheinlich später am Abend im Hafen von Ystad gesehen. Da fuhren auch die Autofähren nach Bornholm ab. Den meisten Schiffsverkehr haben wir aber während der Fahrt etwas weiter draußen beobachtet.

Die Sicht war wieder gut. Sandhammaren haben wir gesehen und danach einige beleuchtete Städte, von denen eine die Ystad war. Nach den Hinweisen, die Mikael in Karlskrona erhalten hatte, fuhren wir in den gut geschützten Gästehafen hinein und legten am selben Kai mit dem lokalen Seenotrettungsschiff an.

Ich habe die Fähigkeit Mikaels, das Boot zu behandeln, bewundert. Er hatte zuvor keine Erfahrungen von Booten mit Wasserstrahlantrieben, die etwas anders zu behandeln sind, als die propellergetriebenen Boote. Ein Spitzenprofi ist aber ein Spitzenprofi! Dies wurde wieder bewiesen.

Unser Skipper Mikael Hagman. Hinten Teile der Notausrüstung des Bootes und eine der Instrumentenkonsole des Bootes.

In diesem Abend sind wir überhaupt nicht essen gegangen. Wir waren müde und wollten sofort schlafen gehen. Wieder hatten wir einen sehr langen Tag auf See hinter uns. Das Hotel war noch feiner als in Norrköping, aber am meisten haben wir ihn wohl erst am nächsten, dem Sonntagmorgen, unter den Kristallleuchten beim Frühstück genießen können – wir schäbigen Bootsfahrer.

Eine Sonntagsfahrt nach Deutschland

Der Rhythmus von sechs Arbeitstagen und von einem Feier- und Ruhetag in der Woche ist ohne Zweifel eines der größten Geschenke der jüdisch-christlichen Kultur an die Menschheit. Diesen Rhythmus bricht man ungern, und meistens ist es auch nicht weise.

Jetzt aber war es nötig. Es galt, auch nach einer langen Arbeitswoche noch am Sonntag dranzubleiben. Wir mussten diesen Ochsen (vgl. Lk 14,5) aus dem Brunnen heraufziehen.

Es regnete leise. Als wir zum Boot liefen, gab es noch kaum Wind. Die Maschinen wurden gestartet, das Landstromkabel eingeholt, die Leinen gelöst. Die letzte Etappe unserer Fahrt lag vor uns. Nur noch einige Fahrstunden, und wir würden Warnemünde bei Rostock, unser Ziel, erreichen.

Draußen auf See war der Wind wach geworden. Kein Sturm war es auch diesmal. Wir schätzten, dass wir eine Zeitlang einen Rückenwind höchstens mit der Stärke 6 auf der Beaufortskala hatten.

Draußen auf See war der Wind wach geworden. Auch diesmal war es kein Sturm.

Dennoch und obwohl wir nicht die ganze Ostsee, sondern nur die Hanö-Bucht hinter uns hatten, gab es Fläche genug, um die Wellen recht hoch wachsen zu lassen. Jetzt konnte man das Boot nicht mehr die ganze Zeit mit dem Autopiloten (Anschütz Autopilot NP60) allein fahren lassen. Hin und wieder musste es manuell gesteuert werden. Unser Skipper Mikael musste auch zeitweilig die Geschwindigkeit reduzieren.

In der Tat fuhr er die ”Steinbutt” gelegentlich wie einen Verdränger, sah voraus, was die Wellen mit sich bringen würden und handelte danach. Dennoch war er sehr zufrieden mit den Fahreigenschaften des Bootes im Rückenwind. Auch die Mannschaft hatte nichts dagegen einzuwenden.

Jetzt haben wir auch den einzigen richtig heftigen Regen während unserer Reise erlebt. Er hat nicht lange gedauert, umso mehr hat es aber geregnet gerade, als wir einen riesigen Offshore-Windpark umrundeten. Ungefähr in derselben Zeit sind wir in deutschen Gewässern angekommen.

Und es war, als ob der Windpark nicht nur dem Wind, sondern auch dem Wellengang die Kraft entnommen hätte: auf der immer stilleren See näherten wir uns Rostock und Warnemünde. Nach dem klugen Vorschlag des Skippers haben wir an Bord noch eine warme Mahlzeit gegessen, weil wir in Warnemünde keine Zeit zum Essen haben würden. Und recht hatte er.

Alter Strom

Rostock sah mir gerade bei diesem Wetter bekannt aus. So habe ich die südliche Ostsee kennengelernt, so hat sie sich in mir eingeprägt, obwohl ich sie auch bei frischem Wind und mit viel Sonnenschein erlebt habe: ruhig die See, halb wolkig der Himmel.

Und da war schon das Wahrzeichen von Rostock, eine Dampfwolke aus dem Kühlturm des Kohlekraftwerkes, zu sehen. Es gab immer mehr Verkehr auf der mit Bojen begrenzten Fahrrinne, die rein in die Mündung von Warnow, zuerst nach Warnemünde und danach bis zum Hafen von Rostock führt.

Von da aus sind schon vor hunderten Jahren die Hanse-Schiffe Richtung Finnland losgesegelt. So läuft es noch heute. Ich habe so manche Reise von Deutschland nach Finnland in Rostock angefangen oder bin dort mit dem Schiff aus dem Norden angekommen.

Wer nur einmal Rostock an Bord eines Schiffes angenähert hat, muss die Stadt erkennen.

Die Einfahrt in den Rostocker Hafen, der Leuchtturm und der Badestrand so, wie ein Vogel sie im November sieht.

Wir fuhren aber nicht bis zum Rostocker Hafen, sondern bogen sofort nach der Einfahrt hinter die Wellenbrecher nach rechts in den Alten Strom hinein. Da sind wir zwischen den vielen Fischerkuttern und Restaurantschiffen auf beiden Seiten der engen Bucht der schmalen Fahrrinne entlang langsam immer tiefer gefahren.

Die Strände waren voll von Schaulustigen. Schon längst lebt man in Warnemünde mehr vom Tourismus als von der Seefahrt oder von der Fischerei, wie früher.

Jetzt galt es nur, als ein glaubhafter Seemann auf dem Deck zu stehen, als der Skipper das Boot in einen sehr engen Raum zwischen zwei Schiffen an den Kai anlegte.

Wir haben den Vertreter unseres Kunden, der selbst auch in seinen jüngeren Jahren als Steuermann gesegelt hat, in der Menschenmenge auf dem Wellenbrecher erkannt. Von da aus ist er dahin gerannt, wo wir anlegen wollten. Da sind wir auch einem anderen Rostocker Freund, dem zukünftigen Skipper von „Steinbutt“, begegnet. Mit beiden dieser Männer hatten wir unser Bootsbauprojekt 305-1 weitergetrieben, und jetzt war es dabei, fertig zu werden.

Steinbutt ist schon zu Hause angekommen, der Skipper fliegt nach Hause

Jetzt galt es nur, als ein glaubhafter Seemann auf dem Deck zu stehen, als der Skipper das Boot in einen sehr engen Raum zwischen zwei Schiffen an den Kai anlegte und danach noch einmal auf der Stelle umdrehte und die Touristen alles fotografierten. Denn die erste Stelle war doch nicht die richtige. Wir mussten auf die andere Seite vom Alten Strom und an die alte, viel größere und etwas klumpige ”Steinbutt“.

Die Leinen wurden festgemacht. Der Landstrom wurde angeschlossen. Die „Steinbutt“ war zu Hause angekommen.

Steinbutt zu Hause an ihrer Vorgängerin. Das Verbot gilt nicht einem Behördenboot!

Noch sollte auch der Skipper nach Hause. So bin ich fast unmittelbar nach unserer Ankunft zusammen mit ihm in einem Mietwagen Richtung Flughafen Hamburg losgefahren. An einem langsam dunkler werdenden Nachmittag fuhren wir durch die malerische Landschaft im zweiten Heimatland meiner erwachsenen Jahre. Zurück nach Warnemünde bin ich zusammen mit meinem Chef gefahren. Er kam an die Stelle des Skippers, um die Verantwortung für die Ausbildung der Mannschaft zu übernehmen.

Ich durfte eine einmalige Reise mitmachen, die zu wiederholen ich immer bereit wäre – zumindest, wenn sie mit einem Kewatec Patrol 1560 unternommen würde.

Ja, die neue Arbeitswoche würde viele Aufgaben mit sich bringen. Neben der Ausbildung der Mannschaft sollte das Boot noch für die Besichtigung durch die deutschen Behörden fertiggebracht werden. Es gab nach der Fahrt auch Einiges am Boot zurechtzubringen. Kari Ikonen hätte viel zu tun!

Ich sollte mich schon auf das feierliche Inbetriebnahmefest von „Steinbutt“ vorbereiten. Da sollte das Boot endgültig aus unserem Besitz an seinen neuen Eigentümer übergeben werden. Es wären prominente Gäste da, und ich sollte eine kurze Rede halten.

Dazu sollte es nicht kommen. Die Feier mit hohen Gästen fand statt, aber ohne mich. Dies hat ein Schneesturm in Finnland verhindert.

Dennoch bin ich für eine lange Zeit seelisch auf der Ostsee irgendwo zwischen Kaskinen und Rostock verblieben. Ich durfte eine einmalige Reise mitmachen, die zu wiederholen ich aber immer bereit wäre – zumindest, wenn sie mit einem Kewatec Patrol 1560 unternommen würde.

Auf Wiedersehen, Alter Strom und Warnemünde! 

KEWATEC PATROL 1560

Baumaterial:                                                         Seebeständiges Aluminium

Gesamtlänge:                                                       15,4 m

Länge der Wasserlinie:                                      14,0 m

Gesamtbreite:                                                        4,3 m

Breite:                                                                     4,2 m

Tiefgang (max.):                                                   0,74 m

Gewicht ohne Last:                                             14 t

Maschinen:                                                           2 x Volvo Penta D8 (510 PS)

Antrieb:                                                                  2 x Wasserstrahlantriebe Rolls Royce 32A3

Kraftstoffkapazität:                                           2 x 750 l

Spitzengeschwindigkeit:                                 35 Knoten

 

Die Preisliste

Auf unserer Preisliste (PDF) haben wir alle unsere Boote mit der Standardausrüstung gelistet, von denen wir wissen, dass unsere Kunden sie schätzen. Sie können immer einzelne Details nach Ihrem eigenen Bedarf und nach Ihren Wünschen ändern.

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